Viele rechnen Dämmung „nach Gefühl“ – oder mit irgendwelchen pauschalen kWh/m²-Werten. Das führt fast immer zu Diskussionen wie:
- „Das amortisiert sich doch nie.“
- „Bei mir kostet die Fassade schon 20.000 € – Dämmung kann doch nicht nochmal so viel kosten.“
- „Heizlast sagt doch gar nichts über den Jahresverbrauch.“
Stimmt teilweise – aber man kann das sauber und praxisnah rechnen, wenn man einen sinnvollen Startpunkt wählt: die Heizlast.
In diesem Artikel bekommst du:
- einen verständlichen Ansatz, wie man aus Heizlast eine Jahres-Heizenergie abschätzt,
- wie man daraus Einsparung und Amortisation berechnet,
- und welche Annahmen du transparent machen solltest.
Hinweis: Das ist ein Überschlags-Rechner, kein Ersatz für eine vollständige Gebäudesimulation. Dafür ist er schnell, nachvollziehbar und für Entscheidungen oft „genau genug“.
1) Warum Heizlast ein guter Startpunkt ist
Die Heizlast (Watt) sagt: Wie viel Leistung braucht dein Haus bei Norm-Außentemperatur, um innen warm zu bleiben?
Das ist nicht direkt der Jahresverbrauch – aber die Heizlast ist eng mit dem energetischen Zustand der Hülle (U-Werte, Lüftung, Wärmebrücken) verknüpft.
Wenn du dämmst, sinkt die Heizlast. Und wenn die Heizlast sinkt, sinkt typischerweise auch die Jahres-Heizenergie.
2) Die Kernidee des Rechners
Wir brauchen drei Dinge:
- Heizlast vorher (in kW)
- Heizlast nachher (in kW) – oder zumindest eine Abschätzung, um wie viel % sie sinkt
- Heizstunden pro Jahr (Volllaststunden) – als Klima-/Standort-Faktor
Dann gilt als einfache Näherung:
Jahres-Heizenergie (kWh) ≈ Heizlast (kW) × Heizstunden (h/a)
Und die Einsparung durch Dämmung:
Einsparung (kWh/a) = (Heizlast_alt − Heizlast_neu) × Heizstunden
3) Welche Heizstunden nehme ich?
Das ist der entscheidende Parameter, weil er Klima und Nutzerverhalten grob abbildet.
Als grobe Orientierung für Deutschland (Überschlag):
- 1.600 h/a = mild / sehr effizient / viel interne Gewinne
- 2.000 h/a = „typisch“ (guter Startwert)
- 2.400 h/a = kälter / hohe Heizperiode / weniger Gewinne
Wenn du unsicher bist: starte mit 2.000 h/a und rechne zusätzlich einmal mit 1.600 und 2.400 als Bandbreite.
4) Von kWh zu Euro: so rechnest du die jährliche Ersparnis
Du brauchst jetzt nur noch deinen Energiepreis.
a) Wärmepumpe
Bei WP musst du zwischen Wärmeenergie und Strom unterscheiden:
- Wärmebedarf-Einsparung: ΔQ (kWh Wärme)
- Strom-Einsparung: ΔQ / JAZ
- Kostenersparnis: (ΔQ / JAZ) × Strompreis
Beispiel:
- ΔQ = 3.000 kWh Wärme/Jahr
- JAZ = 3,5
- Strompreis = 0,30 €/kWh
→ Stromersparnis = 3.000 / 3,5 = 857 kWh
→ Kostenersparnis = 857 × 0,30 € = 257 €/a
b) Gas / Öl
Hier ist es einfacher (mit Wirkungsgrad grob):
- Brennstoffersparnis ≈ ΔQ / η
- Kostenersparnis = (ΔQ / η) × Preis
Für grobe Rechnungen setzen viele η ≈ 0,9 bis 1,0 an (je nach Anlage).
5) Amortisation: so rechnest du sie „ehrlich“
Amortisationszeit (Jahre) = Investition / jährliche Kostenersparnis
Wichtig: Bei Fassadenmaßnahmen ist ein großer Teil der Kosten ohnehin irgendwann fällig (Putz, Anstrich, Gerüst).
Für eine faire Betrachtung rechnest du deshalb oft mit:
Mehrkosten Dämmung = (Fassade mit Dämmung) − (Fassade ohne Dämmung)
Genau das ist der Punkt, an dem viele Rechnungen kippen:
Wenn du die komplette Fassade als „Dämmkosten“ rechnest, wirkt Dämmung künstlich schlecht.
6) Beispielrechnung (mit bewusst runden Zahlen)
Angenommen:
- Heizlast alt: 8,0 kW
- Heizlast neu nach Dämmung: 6,2 kW
- Heizstunden: 2.000 h/a
Dann:
- Jahresenergie alt ≈ 8,0 × 2.000 = 16.000 kWh/a
- Jahresenergie neu ≈ 6,2 × 2.000 = 12.400 kWh/a
- Einsparung ≈ 3.600 kWh/a (Wärme)
Wenn Wärmepumpe (JAZ 3,5) & Strom 0,30 €/kWh:
- Stromersparnis ≈ 3.600 / 3,5 = 1.029 kWh/a
- Kostenersparnis ≈ 1.029 × 0,30 = 309 €/a
Amortisation bei Mehrkosten Dämmung von 8.000 €:
- 8.000 / 309 ≈ 25,9 Jahre
Klingt lang? Ja – und genau deshalb ist die Mehrkosten-Sicht so wichtig.
Und: Diese Rechnung enthält noch keinen Komfortgewinn (wärmere Innenoberflächen), keine Wertsteigerung, keine möglichen Förderungen und keine Risiko-/Schadensvermeidung (Feuchte/Wärmebrücken).
7) Was der Rechner NICHT (oder nur grob) abbildet
Damit du den Artikel ehrlich nutzen kannst:
- Interne Gewinne (Menschen, Geräte, Sonne) sind pauschal in den Heizstunden „versteckt“
- Lüftungswärmeverluste ändern sich durch Dämmung nur indirekt (außer du machst Luftdichtheit/Lüftung mit)
- Wärmebrücken können die Wirkung schmälern – oder durch Sanierung deutlich verbessern
- Nutzerverhalten (22 °C vs 20 °C) kann die Einsparung massiv verändern
Genau deshalb ist die Bandbreitenrechnung (z. B. 1.600/2.000/2.400 h) so sinnvoll.
8) So ermittelst du Heizlast „alt“ und „neu“
Heizlast alt
- aus Heizlastberechnung nach DIN/EN (Planungsunterlagen)
- oder grob aus Energieberatung / Sanierungsfahrplan
- oder (ganz grob) aus Verbrauch + Wetterdaten (aufwendiger, aber möglich)
Heizlast neu (nach Dämmung)
- ideal: neue Heizlastberechnung
- alternativ: pro Bauteil über U-Wert-Verbesserung abschätzen
Für U-Werte & Schichten ist z. B. Ubakus hilfreich: Ubakus U-Wert-Rechner
9) Rechner-Formeln auf einen Blick
Eingaben:
- P_alt (kW), P_neu (kW)
- Heizstunden H (h/a)
- Preis (€/kWh)
- System: Wärmepumpe (JAZ) oder Brennstoff (η)
- Mehrkosten Dämmung (€)
Rechnung:
- Q_alt = P_alt × H
- Q_neu = P_neu × H
- ΔQ = Q_alt − Q_neu
Kostenersparnis:
- WP: €_save = (ΔQ / JAZ) × Strompreis
- Gas/Öl: €_save = (ΔQ / η) × Preis
Amortisation:
- Jahre = Mehrkosten / €_save
10) Fazit: Warum dieser Ansatz so gut funktioniert
Der Heizlast-basierte Rechner ist:
- schnell (du brauchst keine 30 Detailparameter)
- transparent (jede Annahme ist sichtbar)
- vergleichbar (Maßnahmen lassen sich gegeneinander rechnen)
- perfekt als Grundlage für eine spätere interaktive Rechner-Seite
➡️ Passend dazu: 7 Hausbau-Mythen, die dich jedes Jahr tausende Euro kosten
Wenn du willst, erstelle ich dir als nächstes direkt die interaktive Rechner-Komponente (Formular + Ergebnisbox + Bandbreitenrechnung) für Next.js – aber dieser Artikel ist schon die saubere Grundlage dafür.