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How-To & Praxis·22.01.2026·10 Min Lesezeit

Fußbodenheizung spülen – Heizkreise richtig reinigen nach VDI 2035

Fußbodenheizung spülen: Wann es sinnvoll ist, wie es sich vom Entlüften unterscheidet und warum Heizungswasser nach VDI 2035 Pflicht ist. Praxisanleitung für Neubau und Bestand.

Das Spülen einer Fußbodenheizung ist eine gezielte Maßnahme, um Luftpolster, Montage­rückstände und Verschmutzungen aus den Heizkreisen zu entfernen. Im Gegensatz zum reinen Entlüften werden die einzelnen Kreise aktiv mit Wasser durchströmt.

Wichtig dabei:
Spülen und Befüllen moderner Heizungsanlagen darf nur mit aufbereitetem Heizungswasser nach VDI 2035 erfolgen.
Einfaches Leitungswasser kann Korrosion, Ablagerungen und Schäden an Wärmepumpe, Verteilern und Ventilen verursachen.

Diese Anleitung beschreibt ein fachlich korrektes, normkonformes Vorgehen, das auch von technisch versierten Laien umgesetzt werden kann.


Unterschied: Spülen vs. Entlüften

Entlüften

  • entfernt eingeschlossene Luft
  • nutzt den bestehenden Anlagendruck
  • geeignet bei leichten Problemen

Spülen

  • aktives Durchdrücken der Heizkreise
  • entfernt Luft, Schmutz und Rückstände
  • sinnvoll bei Neubau, Sanierung oder hartnäckigen Problemen

Faustregel:

Bringt Entlüften keine nachhaltige Verbesserung, ist Spülen der nächste Schritt.


Warum Heizungswasser nach VDI 2035 Pflicht ist

Moderne Fußbodenheizungen bestehen aus langen Rohrleitungen, Metallverteilern, Ventilen und hocheffizienten Wärmeerzeugern. Um Schäden zu vermeiden, schreibt die VDI 2035 Anforderungen an das Heizungswasser vor.

Ziel der VDI 2035:

  • Korrosion vermeiden
  • Steinbildung verhindern
  • Magnetitbildung reduzieren
  • Funktionsfähigkeit und Effizienz langfristig sichern

Ungeeignetes Wasser kann:

  • Wärmetauscher schädigen
  • Ventile blockieren
  • Pumpen beschädigen
  • Gewährleistungsansprüche gefährden

Deshalb gilt:

Das Wasser, das nach dem Spülen im System verbleibt, muss VDI-2035-konform sein.


Wann sollte eine Fußbodenheizung gespült werden?

Typische Anzeichen:

  • einzelne Heizkreise bleiben kalt oder reagieren träge
  • stark unterschiedliche Bodentemperaturen
  • Durchflussanzeigen bewegen sich kaum
  • Neubau ohne dokumentierte Erstspülung
  • wiederholtes Entlüften ohne Erfolg

Besonders sinnvoll:

  • vor Erstinbetriebnahme
  • nach Estrich- oder Umbauarbeiten
  • nach Tausch von Verteilern oder Ventilen

Benötigte Werkzeuge und Materialien

Für das fachgerechte Spülen werden folgende Komponenten benötigt:

  • Schlauchset (druckfest, ausreichend lang)
    → z. B. Gartenschlauch 1/2 Zoll*

  • Adapter für Heizkreisverteiler (Vorlauf / Rücklauf) (Dimension prüfen) → z. B. Heizkreis-Spüladapter*

  • Auffangbehälter oder Abflussanschluss

  • Lappen und Handtücher

Zwingend erforderlich:

Optional, aber empfohlen:


Vorbereitung und Sicherheit

Vor Beginn unbedingt beachten:

  • Wärmepumpe oder Heizkessel ausschalten
  • Umwälzpumpe abschalten
  • Heizungsanlage drucklos machen
  • Heizkreisverteiler frei zugänglich
  • Alle Heizkreise zunächst schließen

Wichtig: Das Spülen erfolgt immer einzeln pro Heizkreis, niemals mehrere gleichzeitig.


Schritt-für-Schritt-Anleitung: Fußbodenheizung spülen

Schritt 1: Anschluss über Wasseraufbereitung herstellen

Der Wasseranschluss erfolgt nicht direkt über die Trinkwasserleitung, sondern über die VDI-2035-Kartusche.

Reihenfolge: Trinkwasser → Kartusche → Heizkreisverteiler (Vorlauf)

Der Rücklauf wird:

  • in einen Eimer geführt oder
  • direkt an einen Abfluss angeschlossen.

Schritt 2: Ersten Heizkreis öffnen

Alle Heizkreise bleiben geschlossen, nur ein Heizkreis wird vollständig geöffnet.


Schritt 3: Heizkreis spülen

Wasser langsam aufdrehen und den Heizkreis aktiv durchspülen.

Beobachten:

  • Luftblasen
  • trübes oder verfärbtes Wasser
  • ungleichmäßigen Durchfluss

Typische Spüldauer: 2–5 Minuten pro Heizkreis, bis das Wasser klar und blasenfrei austritt.


Schritt 4: Heizkreis schließen

Nach erfolgreicher Spülung wird der Heizkreis wieder geschlossen.


Schritt 5: Nächsten Heizkreis spülen

Vorgang für alle Heizkreise einzeln wiederholen.


Schritt 6: Anlage befüllen und entlüften

Nach Abschluss:

  • alle Heizkreise öffnen
  • Heizungsanlage ausschließlich mit VDI-2035-Wasser befüllen
  • Anlagendruck herstellen (typisch 1,5–2,0 bar im EFH)

Anschließend empfiehlt sich ein klassisches Entlüften am Heizkreisverteiler.


Alternative Vorgehensweise (falls nicht über Kartusche gespült wird)

Falls technisch nicht anders möglich:

  1. Spülen mit Leitungswasser
  2. Anlage vollständig entleeren
  3. Neubefüllung ausschließlich über VDI-2035-Kartusche

Diese Variante ist aufwendiger, aber fachlich korrekt.


Kontrolle nach dem Spülen

Nach dem Wiederanlauf prüfen:

  • gleichmäßige Durchflussanzeigen
  • ruhiger Anlagenbetrieb
  • deutlich gleichmäßigere Wärmeverteilung
  • stabiler Anlagendruck

Verbesserungen zeigen sich oft bereits nach wenigen Stunden.


Häufige Fehler beim Spülen

  • Spülen ohne Wasseraufbereitung
  • mehrere Heizkreise gleichzeitig geöffnet
  • Umwälzpumpe während des Spülens aktiv
  • zu hoher Wasserdruck
  • kein anschließendes Entlüften

Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist

Ein Fachbetrieb sollte hinzugezogen werden, wenn:

  • kein ausreichender Durchfluss möglich ist
  • Ventile blockiert sind
  • starke Verschmutzungen auftreten
  • Heizkreise trotz Spülung kalt bleiben

Fazit

Das Spülen der Fußbodenheizung ist eine wirkungsvolle Maßnahme, um Luft, Schmutz und Montage­rückstände zu entfernen. Entscheidend ist dabei die konsequente Einhaltung der VDI 2035.

Mit einer geeigneten Wasseraufbereitung lässt sich das Spülen auch von Laien fachgerecht durchführen – ohne Risiko für Wärmepumpe, Heizkreisverteiler oder Ventile.

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