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PV & Heiztechnik·20.01.2026·8 Min Lesezeit

Stromverbrauch einer Wärmepumpe im Winter – echte Praxiswerte aus Dezember & Januar

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Winter wirklich? Echte Praxiswerte aus einem EFH (150 m², BJ 2025): 646 kWh im Dezember, 803 kWh im Januar – inklusive Einordnung und Vergleich zu Öl & Gas.

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe im Winter ist eine der häufigsten Fragen von Bauherren.
Während Hersteller mit idealen COP-Werten werben, zählt in der Praxis vor allem eines:

Was verbraucht die Wärmepumpe wirklich – bei Kälte, im Alltag, in einem realen Haus?

In diesem Artikel zeige ich echte Verbrauchsdaten aus einem Einfamilienhaus und ordne sie fachlich ein.


Die Ausgangsdaten (echte Praxiswerte)

Der gemessene Stromverbrauch der Wärmepumpe lag bei:

  • Dezember: 646 kWh
  • Januar: 803 kWh

👉 Es handelt sich um den reinen Stromverbrauch der Wärmepumpe (Heizung + Warmwasser), nicht um den gesamten Haushaltsstrom.

Bereits hier sieht man:

  • Der Januar ist erwartungsgemäß der verbrauchsstärkste Monat
  • Der Anstieg ist deutlich, aber physikalisch gut erklärbar

Gebäudedaten zur Einordnung (sehr wichtig!)

Die Verbrauchswerte stammen aus folgendem Gebäude:

  • Wohnfläche: ca. 150 m²
  • Baujahr: 2025
  • Außenwände: 36,5 cm Ytong (Porenbeton), ohne zusätzliche Außendämmung
  • Keller: Bestandskeller
  • Bodenplatte: nicht gedämmt
  • Kellerdecke: nicht gedämmt
  • Heizsystem: Fußbodenheizung
  • Warmwasser: Frischwasserstation
  • Bewohner: 3 Personen

👉 Das Gebäude ist kein hochgedämmter Passivhaus-Neubau, sondern ein energetisch ordentlicher, aber realistischer Standard.


Besonderheiten im Januar: Wetter & Nutzung

Der Januar war geprägt von:

  • sehr häufigem Nebel
  • vielen Tagen unter 0 °C
  • kaum solaren Gewinnen

Gerade Nebel ist für Wärmepumpen relevant:

  • kaum solare Erwärmung der Gebäudehülle
  • dauerhaft niedrige Quelltemperaturen
  • längere Laufzeiten

➡️ Der höhere Verbrauch im Januar ist daher nicht überraschend, sondern typisch.


Warmwasser & Nutzerverhalten (oft unterschätzt)

Im Haushalt leben 3 Personen, die:

  • täglich duschen
  • mit einer Duschtemperatur von ca. 38 °C

Die Warmwasserbereitung erfolgt über eine Frischwasserstation in Kombination mit der Wärmepumpe.

Warum 38 °C hier völlig ausreichend sind

Durch die Frischwasserstation:

  • wird kein Trinkwarmwasser gespeichert
  • das Wasser wird im Durchlauf erwärmt
  • kein Legionellenrisiko, auch ohne 60 °C Speicher

➡️ Höhere Warmwassertemperaturen wären hier energetisch unnötig und würden den Stromverbrauch erhöhen.


Einordnung der Verbrauchswerte

Rechnen wir die Monatswerte grob um:

Monatliche Betrachtung

  • 646 kWh (Dezember) → ca. 21 kWh/Tag
  • 803 kWh (Januar) → ca. 26 kWh/Tag

Für ein Einfamilienhaus mit:

  • 150 m² Wohnfläche
  • Fußbodenheizung
  • täglicher Warmwasserbereitung
  • realistischen Dämmstandard

Das sind absolut plausible und gute Praxiswerte.


Vergleich: Wärmepumpe vs. Öl & Gas (theoretisch eingeordnet)

Auch ohne konkrete Öl- oder Gasverbrauchswerte lässt sich eine realistische Einordnung machen.

Wärmepumpe (Januar)

  • 803 kWh Strom
  • Bei einem realistischen COP von ca. 3: → rund 2.400 kWh Heizenergie

Öl-Heizung (vergleichbare Heizenergie)

  • 1 Liter Heizöl ≈ 10 kWh
  • → ca. 240 Liter Heizöl im Januar

Gas-Heizung (vergleichbare Heizenergie)

  • 1 m³ Erdgas ≈ 10 kWh
  • → ca. 240 m³ Erdgas im Januar

Kostenvergleich (grobe Orientierung)

  • Strom WP: stark abhängig vom Tarif
  • Öl/Gas: zusätzlich:
    • Grundgebühren
    • Schornsteinfeger
    • Wartung
    • höhere CO₂-Kosten

➡️ Energetisch zeigt sich:
Die Wärmepumpe arbeitet nicht ineffizient, sondern liefert die benötigte Heizenergie mit deutlich weniger Primärenergie.


Warum Wintermonate nicht isoliert bewertet werden dürfen

Ein häufiger Denkfehler:

„Im Januar ist der Verbrauch hoch – also ist die Wärmepumpe ineffizient.“

Das Gegenteil ist richtig:

  • Der Januar ist immer der Spitzenmonat
  • Sommermonate liegen extrem niedrig
  • Übergangszeiten sind sehr effizient
  • Die Jahresbilanz ist entscheidend

Ein einzelner Wintermonat sagt nichts über die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe aus.


Fazit

Die realen Praxiswerte zeigen:

  • 646 kWh im Dezember
  • 803 kWh im Januar

für ein 150-m²-Einfamilienhaus mit:

  • Ytong-Mauerwerk ohne Zusatzdämmung
  • ungedämmtem Bestandskeller
  • täglicher Warmwasserbereitung für 3 Personen

sind absolut realistisch und gut erklärbar.

Sie zeigen:

  • kein „Stromfresser“-Problem
  • kein unrealistisches Schönrechnen
  • sondern physikalisch sauberes Verhalten

Genau solche realen Zahlen helfen Bauherren mehr als jede Prospektangabe.