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Basiswissen·28.01.2026·10 Min Lesezeit

Sanierung oder Abriss & Neubau? Wann sich welche Entscheidung wirklich lohnt

Altes Haus sanieren oder doch abreißen und neu bauen? Dieser Artikel zeigt nüchtern, wann Sanierung sinnvoll ist – und wann der Neubau langfristig die bessere Entscheidung ist.

Diese Frage stellt sich früher oder später fast jeder Bauherr mit einem Bestandsgebäude:

Sanieren oder abreißen und neu bauen?

Emotional hängt man oft am Haus. Wirtschaftlich sieht die Rechnung manchmal ganz anders aus.
Das Problem: Viele Entscheidungen werden aus dem Bauch heraus getroffen – ohne die richtigen Kriterien zu vergleichen.

In diesem Artikel bekommst du eine klare, strukturierte Entscheidungshilfe, ohne Schönrechnerei.


Die wichtigste Erkenntnis vorab

Es geht nicht um:

  • „Alt vs. Neu“
  • „Nachhaltig vs. Abrissbirne“
  • „Früher war alles besser“

Sondern um:

  • Baukörper
  • Substanz
  • Kosten pro erreichbarem Energiestandard
  • langfristige Betriebskosten
  • Flexibilität für die nächsten 30–40 Jahre

Wann sich eine Sanierung lohnt

Eine Sanierung ist meist sinnvoll, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

1️⃣ Die Bausubstanz ist gut

  • tragende Wände intakt
  • keine gravierenden Feuchteprobleme
  • kein massiver Schädlingsbefall
  • Fundament in Ordnung

👉 Faustregel:
Wenn Statik, Keller und Dachstuhl gesund sind, spricht viel für Sanierung.


2️⃣ Grundriss & Geschosshöhen passen

  • ausreichende Raumhöhen
  • tragende Wände sinnvoll positioniert
  • Erweiterungen möglich (Anbau, Aufstockung)

Wenn du den Grundriss nur moderat anpassen musst, sparst du enorme Kosten.


3️⃣ Das Haus lässt sich energetisch sinnvoll verbessern

  • Dämmung der Hülle technisch machbar
  • Fenster tauschbar
  • Heizsystem erneuerbar (z. B. Wärmepumpe realistisch)

➡️ Wichtig:
Nicht jedes Haus muss EH40 erreichen – aber EH70/EH55 sollte erreichbar sein, sonst wird der Betrieb teuer.


4️⃣ Sanierungskosten bleiben unter ~70–80 % eines Neubaus

Als grober Richtwert (ohne Grundstück):

  • Neubau EFH: ca. 3.000–4.000 €/m²
  • Sanierung sinnvoll: wenn deutlich darunter

⚠️ Achtung:
Viele Sanierungen wirken anfangs günstig – explodieren aber durch:

  • Überraschungen in Wänden/Böden
  • neue Vorschriften
  • zusätzliche Gewerke

5️⃣ Der emotionale Wert ist hoch – und akzeptiert

  • Familienhaus
  • besondere Lage
  • Denkmalschutz (bewusst gewählt)

👉 Emotionen sind kein Fehler, aber sie sollten bewusst in die Rechnung einfließen.


Wann Abriss & Neubau oft die bessere Wahl ist

So hart es klingt: Es gibt Situationen, da ist Neubau ehrlicher, günstiger und zukunftssicherer.

1️⃣ Schlechte oder unbekannte Bausubstanz

  • Setzungsrisse
  • feuchte Keller ohne realistische Sanierung
  • problematische Altlasten
  • Holzschäden in tragenden Bauteilen

Hier wird Sanierung schnell zum unkalkulierbaren Risiko.


2️⃣ Energetischer Totalschaden

Typisch bei Häusern aus den 50er–70er Jahren:

  • ungedämmte Hülle
  • viele Wärmebrücken
  • niedrige Deckenhöhen
  • ungünstige Fensterflächen

Wenn du:

  • Fassade,
  • Dach,
  • Keller,
  • Fenster,
  • Heizung,
  • Elektrik,
  • Sanitär

sowieso komplett anfassen musst → Neubau prüfen!


3️⃣ Grundriss passt überhaupt nicht mehr

  • kleine Zimmer
  • lange Flure
  • kaum Tageslicht
  • keine Erweiterungsmöglichkeiten

Grundrisssanierungen sind extrem teuer – oft teurer als neu bauen.


4️⃣ Sanierung erreicht kein zukunftsfähiges Niveau

Wenn du nach der Sanierung:

  • immer noch hohe Vorlauftemperaturen brauchst
  • keine PV sinnvoll integrieren kannst
  • keine Fußbodenheizung möglich ist
  • keine Luftdichtheit herstellbar ist

… dann zahlst du 30 Jahre lang höhere Betriebskosten.


5️⃣ Neubau kostet „nur“ wenig mehr – bringt aber viel mehr

Ein Neubau bietet:

  • optimale Dämmung
  • perfekte Heizflächen
  • niedrige Vorlauftemperaturen
  • PV + Wärmepumpe von Anfang an
  • saubere Luftdichtheit
  • moderne Elektro- & Smart-Home-Infrastruktur

➡️ Wenn der Mehrpreis überschaubar ist, gewinnt fast immer der Neubau.


Die ehrliche Kostenfalle bei Sanierungen

Viele rechnen so:

„Sanierung kostet 200.000 €, Neubau 400.000 € – klar sanieren!“

Was oft vergessen wird:

  • Sanierung = Bestand + Baustelle + Überraschungen
  • Neubau = klarer Leistungsumfang
  • Sanierung erreicht oft nicht den gleichen Energiestandard

👉 Entscheidend ist nicht die absolute Summe, sondern: Kosten pro erreichter Qualität & Betriebskosten über 30 Jahre


Entscheidungs-Matrix (Kurzfassung)

KriteriumSanierungNeubau
Gute Substanz
Schlechte Substanz
Grundriss flexibel
Energiestandard hoch erreichbar
Energiestandard nur mittel⚠️
Kosten < 70 % Neubau
Langfristige Effizienz⚠️

Praxis-Faustregel

👉 Sanieren, wenn:

  • Substanz gut
  • Grundriss ok
  • Energetisch sinnvoll aufwertbar
  • Kosten klar kalkulierbar

👉 Neu bauen, wenn:

  • Substanz fragwürdig
  • Grundriss schlecht
  • energetischer Komplettumbau nötig
  • du ohnehin alles anfassen musst

Fazit: Ehrlichkeit spart am meisten Geld

Sanierung ist kein Selbstzweck – und Neubau kein Luxus.
Die richtige Entscheidung ist die, die:

  • technisch Sinn macht
  • wirtschaftlich tragfähig ist
  • dich nicht 20 Jahre lang ärgert

➡️ Passend dazu: Dämmung-Rechner: Einsparung & Amortisation aus der Heizlast
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